Selbstinterview
mit dem Drehbuch-Autor
Eines
Tages dachten die Verantwortlichen
des Films "Per Anhalter durch
die Galaxis" ...,
es wäre
eine gute Idee, ein Interview mit
mir zu veröffentlichen, da ich
ja derjenige bin, der diese Neuauflage
des Films angefangen hat.
Also habe ich mich entschieden, mich
selbst zu befragen, weil a) ich mit
mir selbst härter umgehe und
weiß, welche Art von Fragen
ein Reporter mich fragen würde
und b) mich niemand zu einem Interview
aufgefordert hat.
Und warum
sollten sie? Wer bin ich? "Nicht
Douglas Adams", das beschäftigt
die meisten Leute. |
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Also lasst
uns mit diesem Gedanken im Hinterkopf fortfahren.
Hier kommen einige Fragen, von denen ich glaube,
dass sie die meisten Fans des Buchs (und der Radioserie
und der Fernsehserie und des Infocom-Spiels...)
interessieren.
Wer
zum Teufel bist Du und was gibt Dir das Recht,
an diesem wertvollen Stück Literatur herumzupfuschen,
Du amerikanischer Hollywood-Banause?
Ah, das ist
eine gute Frage. Ja, ich kann verstehen, dass
sich manche Leute diese Frage stellen könnten.
Also, mal sehen.
Mein Name
ist Karey Kirkpatrick. Man kann nach mir über
Google oder IMDB suchen, um mehr über mich
zu erfahren (ich bin übrigens ein Mann, nicht
die Nachrichtensprecherin aus Buffalo, New York).
Die kurze
Antwort ist: Niemand hat das Recht, an diesem
Stück Literatur herumzupfuschen. Ich habe
nicht danach gesucht, es hat mich gefunden. Die
Geschichte geht in etwa folgendermaßen.
Jay Roach
hätte einmal bei dem Film Regie führen
sollen. Er hatte zuvor viele Jahre mit Douglas
and verschiedenen Entwürfen für das
Drehbuch gearbeitet.
Nach Douglas'
plötzlichem und tragischem Tod fror das Projekt
einige Monate ein. Aber Jay und Robbie Stamp (ausführender
Produzent des Films und langjähriger Freund
von Douglas) fühlten sich verpflichtet, das
Projekt nicht sterben zu lassen, um Douglas in
Erinnerung zu behalten. Und eines Tages, als Jay
sich "Hennen Rennen" (mit seinen Söhnen?
Keine Ahnung, in meiner Vorstellung sieht er sich
den Film jede Woche an) ansah, dachte er sich:
"Hey, dieser Autor hat einen Film gemacht,
der als großer Film funktionierte, ohne
die vorherrschende, einzigartig britische Sensibilität
zu verlieren!" (Ich bin als großer
"Monty Python"-Fan aufgewachsen, einer
dieser Kerle, die mit Zitaten aus "Ritter
der Kokosnuss" ihre Freunde zur Weißglut
bringen, außer natürlich denjenigen,
mit denen ich Python zitierte).
Also machte
Jay mich ausfindig. Als mein Agent mich fragte,
ob ich jemals von "Per Anhalter durch die
Galaxis" gehört hätte, sagte ich
"ja, hab ich gehört."
Aber bringen
wir den großen Schrecken gleich hinter uns.
Ich hatte nie ein Buch von Douglas Adams gelesen,
bevor ich diesen Auftrag bekam. Nun, einige von
euch sind jetzt möglicherweise gerade in
Ohnmacht gefallen, nachdem sie laut aufgeschrieen
haben:
"Was???
Blasphemie!"
Aber ich denke,
das verschaffte mir einen großen Vorteil
beim Herangehen an den Stoff. Ich hatte keinerlei
Gefühle für oder gegen den Stoff. Als
man mir einen Entwurf des Drehbuchs zuschickte
(Douglas' letzten Entwurf), konnte ich es als
das lesen, was es war, nämlich ein Entwurf,
für einen Film. Und ohne jegliches Wissen
über den Babelfisch, die Sinn-des-Lebens-Frage
und die Vogonen, konnte ich mir eine Meinung darüber
bilden, was als Drehbuch funktionieren würde
und woran man noch arbeiten musste.
Ihr solltet
wissen, meine erste Reaktion - wirklich die erste
Reaktion, nachdem ich das Drehbuch hingelegt hatte
- war: "Ich kann das nicht schreiben, dieser
Mann ist ein Genie, ich bin keines."
Ich dachte:
"Es ist mir unmöglich Worte zu schreiben,
die sich nahtlos an die von diesem Mann anschmiegen."
Es war mein "Ich bin nicht würdig"-Moment.
Ich meine, dieser Mann schrieb:
"Fliegen
ist einfach,
wirf dich einfach auf den Boden
und triff daneben!"
Ich bin nicht
sicher, ob ich jemals derartige Zeilen schreiben
könnte.
Aber ich wollte
Jay Roach treffen. Ich nutzte das Treffen, um
das Drehbuch zu besprechen und dachte: "Vielleicht
fordert er mich ja auf, 'Meet the Fockers' zu
schreiben." Ich zeigte Jay einige meiner
Ideen auf, einige strukturelle und thematische
Bedenken und - zu meiner Überraschung - stimmte
er mir in den meisten Punkten zu.
Und als ich
ihm von meinem "Ich bin nicht würdig"-Moment
erzählte, sagte er: "Ich denke, Sie
sind perfekt dafür und diese Einstellung
wird Ihnen möglicherweise helfen." Und
je mehr wir über das Projekt redeten, desto
mehr stieg mein Interesse. Ich meine, wie kann
man nicht aufgeregt sein, wenn man über Poesie
wie Folter und Nuklearraketen, die sich in Pottwale
und Petunien verwandeln, spricht. Aufträge
wie dieser kommen nicht alle Tage. Eigentlich
tauchen die nie einfach so auf.
Nachdem ich
also meine Ideen an die Verantwortlichen von Disney
und Spyglass und an Robbie, der für Douglas'
Nachlass dabei war, weitergeleitet hatte, bekam
ich den Job und fing im September 2002 an, zu
schreiben.
Was
gibt Dir das Recht, zu entscheiden, was bleibt
und was rausfliegt, Du formelhafter, Hennen schreibender
Bast***?
Hey, halten
wir das Ganze hier bitte sauber, meine Mutter
könnte es lesen.
Bedenkt, dass
ich mit Douglas' letztem Entwurf anfing. Ich hatte
also nicht nur die Ideen und Konzepte, die er
speziell für den Film erfunden hatte (brillante
Ideen, nebenbei erwähnt), sondern auch einige
Hinweise darauf, welche Dinge er rausnehmen würde
(und in einigen Fällen entschied ich, dass
er zu streng mit sich gewesen war und nahm es
wieder hinein).
Um mich mit
der Materie vertraut zu machen, dachte ich, wäre
es am besten, in chronologischer Weise vorzugehen.
Es begann als Radiostück. Also ließ
ich mir alle Folgen auf CD schicken. Ich hörte
sie mir im Auto an, und war in diesen wonnevollen
15 bis 20 Stunden wunderbar abgelenkt von dem
überfüllten Verkehr in Los Angeles.
Das erste,
was natürlich zu hören war, war Einleitung
zur Geschichte "Das Restaurant am Ende des
Universums", die so begann: "Was bisher
geschah...". Sie fasst die Ereignisse aus
dem ersten Buchs - "Per Anhalter durch die
Galaxis" - einfach zusammen, und mir wurde
klar, dass dies das ist, was das Filmskript brauchte.
Diese Zusammenfassung
drückte einige Ideen und Themen etwas klarer
aus als das Drehbuch. Und plötzlich leuchtete
mir ein, woran es dem Skript fehlte und ich hatte
ein wenig Hoffnung, dass ich in der Lage sein
könnte, die fehlenden Teile einzusetzen.
Als nächstes
las ich das Buch, mit Kugelschreiber und Highlighter
in der Hand, um Passagen zu unterstreichen, die
herausgeflogen waren und die ich versuchen wollte,
wieder hinein zu bekommen.
Ich machte
Notizen über Charaktere und Themen, die im
Buch präsent waren, aber im Drehbuch nicht
wirklich funktionierten. Ich wollte mir die Fernsehserie
ansehen, aber Jay riet mir davon ab, damit ich
die Bilder nicht in meinen Kopf kriege. Die
Idee war, etwas zu erschaffen, nicht wieder zu
erschaffen (und ich glaube nicht, dass wir die
Rechte haben, um etwa neues zu der Fernsehserie
zu erfinden, also sah ich sie mir nie an. Hören
Sie das, BBC? ICH HABE NIE DIE FERNSEHSERIE GESEHEN!).
Ich kaufte mir aber ein Buch, in dem die Texte
der Radiosendungen waren. Als ich anfing zu schreiben,
hatte ich den Roman auf der einen Seite meines
G4-Laptops liegen und die Radio-Texte auf der
anderen. Sie sind jetzt beide viel benutzt.
Man gab mir
noch eine weitere unbezahlbare Quelle. Robbie
Stamp, der zu einem integralen Bestandteil des
Schreibprozesses wurde, weil er die "Was
hätte Douglas gewollt?"-Fragen beantworten
konnte, gab mir Kopien von Dateien von Douglas'
Festplatte. Notizen zu seinen Entwürfen,
Notizen von ihm an das Studio, willkürliche
Ideen und Teile von Dialogen. Das war sehr aufregend.
Ich fühlte mich wie Moses vorm brennenden
Busch, als ich diese Dateien öffnete. Sie
gaben mir auch einen Einblick in seinen Arbeitsprozess.
Da waren unfertige Szenen, Hintergrundinformationen
zu den Charakteren, persönliche Notizen über
Punkte, bei denen er sich unsicher war. Ich las
Douglas' unbearbeitete Zeilen und versuchte, so
viele wie möglich in das Drehbuch zu bekommen.
Mein Ziel
beim Schreiben war, wie ein Cutter [Schnittmeister]
bei einem Film vorzugehen. Wenn ein Cutter seinen
Job gut gemacht hat, merkt man seine Arbeit nicht.
Das war hier mein Ziel. Ich dachte, wenn Leute
das Drehbuch lesen würde - besonders Leute,
die Douglas kannten - und keinen Unterschied erkennen
würden zwischen dem, was ich geschrieben
hatte und was Douglas geschrieben hatte, dann
würde es richtig machen. Ich versuchte nie,
meine persönliche Note zu hinterlassen (was
auch immer das ist).
Ich begann,
auch seine anderen Dinge zu lesen, las Biographien,
sah Dokumentationen (die mir netterweise Joel
Greengrass zukommen ließ) und ich verspürte
eine eigenartige Verbindung zu diesem Mann, den
ich nie getroffen habe.
Da waren einige
Ähnlichkeiten zwischen uns. Die gemeinsame
Liebe für Macs, Möchtegern-Rock-Gitarristen,
Weltklasse-Zauderer, Aufschieben wichtiger Schreibarbeiten,
Liebe zur Satire, der Glaube, dass nichts so heilig
ist, dass man nicht darüber lachen kann -
um nur ein paar zu nennen.
Der größte
Unterschied ist, dass Douglas ein großer
Denker war und ich stärker bei der Struktur
bin. Das war eine glückliche Sache, denn
viele seiner Konzepte waren ja bereits da, brauchten
nur eine festere Struktur, in der sie blühen
und gedeihen konnten.
Also...
Was genau hast du hinzugefügt? Viel wichtiger,
was war würdig genug, um drin zu bleiben?
Das ist eine
schwierige Frage, weil es darauf ankommt, ob man
das endgültige Drehbuch mit dem Roman oder
mit dem Drehbuchentwurf von Douglas vergleicht.
Wenn man es zum Drehbuch vergleicht, dann habe
ich nur sehr wenig hinzugefügt. Etwas, das
ich an Douglas bewundere, war seine Bereitschaft,
"Per Anhalter durch die Galaxis" am
Leben zu erhalten:
Während
ich die verschiedenen Entwürfe las und mich
mit der Geschichte vertraut machte, sah ich, dass
die meisten verschiedenen Auflagen sich gegenseitig
widersprachen. Douglas fehlte erfrischenderweise
eine gewisse Treue zu sich selbst. Da "Per
Anhalter durch die Galaxis" ohnehin einem
ständigen Wandlungsprozess durch seinen Schöpfer
ausgesetzt war, fühlte ich eine gewisse Freiheit
dabei, diese Fackel weiter zu tragen, mit den
neuen Konzepten, Charakteren und Inhalten, die
Douglas bereits geschrieben hatte. Natürlich
gab es Lücken zu füllen, ein wenig neues
Material und Dialog wurde benötigt. Aber
ich ging immer zum Quellmaterial, um die richtige
Stimme und den richtigen Ton zu finden.
War
es eine schwierige Adaption?
Es gibt ein
berühmtes Zitat von Douglas über Deadlines
und wie er das Geräusch mochte, das sie machten,
wenn sie an einem vorbei rauschten. Eines meiner
liebsten Zitate über das Schreiben ist:
"Ich
hasse das Schreiben. Ich liebe es, etwas geschrieben
zu haben."
Das scheint
mein Mantra zu sein und ich habe so ziemlich jeden
Entwurf, den ich jemals geschrieben habe gehasst
und verflucht, vor allem weil das Schreiben so
ein einsamer und herunterzerrender Prozess ist
(mit der Ausnahme von "Hennen Rennen",
dabei hatte ich eine Menge Spaß). Und viele
Leute haben zu mir gesagt: "Wow, 'Anhalter'
zu adaptieren muss schwierig gewesen sein."
Aber ich kann ehrlich sagen, dass ich an keinem
Skript mehr Freude gehabt habe.
Und das liegt
daran, dass ich so wundervolles Quellenmaterial
hatte (und Mitarbeiter). Wann immer ich auch nur
ein bisschen hing, nahm ich eines dieser Bücher
in die Hand und fand, wonach ich suchte, oder
fand die Inspiration für etwas Neues. Ich
hatte Freude beim Schreiben dieses Films, ich
bin froh, ihn geschrieben zu haben und ich habe
noch immer Freude bei dem, was ich noch schreibe.
Ich habe meinen ersten Entwurf kurz vor Weihnachten
2002 fertig gestellt. Er war 152 Seiten lang.
152
Seiten!? Wie ging es weiter?
Ich habe im
Studio den Dummen gespielt. "Was? Sie denken,
das ist lang? Verglichen mit 'Der Herr der Ringe'
ist das ein Kurzfilm." Sie gingen nicht darauf
ein. Also begann ich den schmerzhaften Prozess
des Kürzens. Und ich wollte nichts kürzen.
Wusste nicht, wo ich kürzen sollte.
Das Buch war
voll von Intelligenz und das wollte ich beibehalten.
Douglas war ein großer Satiriker, weil er
die Dinge, über die er eine Satire machte,
so genau verstand. In einem Interview hat er einmal
gesagt, wenn zu seiner Schulzeit Computerwissenschaften
unterrichtet worden wären, hätte er
möglicherweise eine Karriere daraus gemacht.
Er hätte auch Physiker werden können.
Er kannte sich sehr gut aus mit dem Thema. Also
war es für mich wichtig, dass diese Intelligenz
das Zentrum des Films bleiben müsste.
Das liebe
ich so an Monty Pythons "Das Leben des Brian".
Der Film ist nur eine Haaresbreite entfernt von
echter Theologie. Also war mein Ziel, etwas zu
erschaffen, das Schwung und Erzählstruktur
bot, eine emotionale Story, die dem Publikum etwas
bedeutet, und all das in diese intellektuelle,
respektlose, satirische Welt zu packen. Und wieder
ging ich zurück zu Douglas' Entwürfen,
die viel kürzer waren als meiner. Er kürzte
viel gnadenloser als ich, also dachte ich, ich
hätte da ein bisschen Spielraum.
Ich nahm hauptsächlich
Reiseführer-Einträge heraus, mit der
Versicherung, dass sie dann irgendwann auf einer
DVD erscheinen würden. Und diese Einträge
sind ohnehin sehr flexibel, so dass endgültige
Entscheidungen auch noch nach Drehschluss getroffen
werden können.
Was
hast du gemacht, als du erfahren hast, dass Jay
Roach nicht Regie führen würde und wer
zum Teufel sind Hammer & Tongs
[zu Deutsch: Hammer & Zange]?
Ich will ehrlich
sein. Einer der Hauptgründe für mich,
dieses Projekt anzunehmen, war die Möglichkeit
mit Jay zu arbeiten. Gemeinsame Freunde hatten
mir gesagt, dass wir beide ähnliches Temperament
hätten und dass wir gut zusammenpassen würden.
Und sie hatten Recht. Jay war für mich ein
unschätzbar wichtiger Mitarbeiter. Er hat
eine Menge Zeit in die Arbeit gesteckt und das
Drehbuch wäre ohne in nicht so gut.
Aber ich würde
lügen, wenn ich sagen würde, dass ich
nicht verärgert war, als ich erfuhr, dass
er nicht der Meinung war, dass dies das beste
nächste Projekt für ihn sei.
Aber in der
Folge begann eine interessante Zeit, als verschiedene
Namen in der Luft hingen (und wir sprechen hier
von Weltklasse-Regisseuren). Und die häufigste
Antwort war in etwa: "Nein danke, ich will
nicht bekannt werden als derjenige, der den 'Anhalter'
verhaut hat." Und ein Teil von mir verstand
das, aber ein anderer Teil sagte: "Oh mein
Gott, heißt das, dass ich bekannt werde
als der jenige, der 'Anhalter' verhaut hat?"
Aber Jay gab
das Drehbuch weiter an Spike Jonze, und Spike
sagte, er könne es nicht machen, aber er
kenne genau die richtigen Kerle dafür. Und
so schickte er uns Hammer & Tongs. Und als ich
erfuhr, dass ich mich mit besagtem Hammer und
besagter Zange unterhalten sollte, fragte ich
das, was jeder zu fragen scheint: "Wer sind
die und was haben sie gemacht?"
Nun, ich muss
wohl nicht darauf hinweisen, dass es nicht wirklich
beruhigend war, zu hören, dass sie noch zuvor
einen Film gemacht hatten. Und ich hatte nicht
die Gelegenheit, mir ihre Werbe- und Musikfilme
vor dem Gespräch anzusehen (weil mein DVD-Player
keine englischen Region-2-DVDs spielt, aber ich
weiche vom Thema ab), aber als ich hörte,
dass die beiden erst mit dem Autor sprechen wollten,
bevor sie mit irgend jemandem anderen sprechen
würden, dachte ich: "Na ja, sie sind
entweder sehr cool oder sehr naiv. Wissen die
nicht, dass Drehbuchautoren in diesem Geschäft
niemand sind?"
Über
meine Erfahrung mit Hammer & Tongs möchte
ich nur sagen, dass ich seit Nick Park und Peter
Lord von Aardman mit niemand kreativerem gearbeitet
habe. Jedes Gespräch mit einem der beiden
hat das Drehbuch in irgendeiner Form verbessert.
Rückblickend
scheint es so, als hätte es so sein sollen.
Ich kann mir
den Film jetzt mit niemand anderem vorstellen.
Ich dachte, dass mich bei "Anhalter"
nichts mehr inspirieren könnte, als das Quellmaterial,
aber ich bin froh, sagen zu können, dass
ich falsch lag.
Im Mai 2003
kamen Nick Goldsmith und Garth Jennings an Bord.
Ich flog mit Derek Evans nach London zu intensiven
Gesprächen in ihrem Büro, welches ein
umgebautes Boot auf einem Fluss in Islington ist.
Sie hatten "einige Ideen" für den
dritten Entwurf und ich gebe zu, dass ich anfangs
ein bisschen unaufgeschlossen und abwesend war.
Es ist immer ein wenig seltsam, wenn die Regisseure
dazukommen, besonders welche aus der Werbe- und
Musikvideobranche. Aber ihre Ideen waren inspirierend
und zeigten, dass sie nicht nur unglaublich visuelle
Denker waren, sondern auch einen starken Sinn
für Erzählstruktur hatten. Ich verließ
London mit dem Gefühl, dass das Drehbuch
sich verbessern würde und der Film in guten
Händen war.
Jedoch muss
ich zugeben, dass ich bis heute nicht weißt,
welcher von ihnen Hammer und welcher Zange ist.
Hör
auf, so vage zu sein! Gib uns Details, verdammt
noch einmal! Was ist in dem Film und was nicht?
Tut mir leid,
ich bleibe vage. Ich will aus dem hier wirklich
nicht einen Kampf machen zwischen "dem, was
Karey getan hat" und "dem, was Douglas
getan hat."
Wie Douglas
selbst zugibt, ist "Per Anhalter durch die
Galaxis" eine Geschichte mit einem langen
Anfang und einem Schluss. Da ist nicht viel in
der Mitte. Und Filme brauchen auch Mitte. Somit
kommt das meiste neue Material in der Mitte. Vieles
davon hat bereits Douglas erfunden. Ich nahm,
das was er schon geschaffen hatte und erweiterte,
verbreiterte und verband es (eigentlich wie ein
Wonderbra - und das ist nicht das erste Mal, dass
ich mit diesem Wunderding verglichen werde).
Es gibt mehr
von der Arthus/Trillian-Beziehung und von der
Arthur/Trillian/Zaphod-Dreiecksbeziehung.
Douglas wusste
genau wie ich, dass ein Film, der von den Studios
beachtet und auf der ganzen Welt gezeigt werden
soll, sich auf Charaktere, Beziehungen und Emotionen
konzentrieren muss. Der Punkt ist, dies zu tun
und trotzdem den Geist des Buchs zu behalten und
ich hoffe, das haben wir getan.
Es ist okay,
wenn da ein bisschen eine Liebesgeschichte vorkommt,
sie darf nur nicht sentimental und doof sein.
Aber ich glaube, die Leute (und besonders eingefleischte
"Per Anhalter durch die Galaxis"-Fans)
werden erfreut feststellen, dass es im Grunde
dieselbe Geschichte ist wie das Hörspiel,
das Buch und die Fernsehserie, mit all den bekannten
und geliebten Szenen, Charakteren und Konzepten:
Arthur, Trillian, Ford, Zaphod, Marvin, Eddie,
Vogonen, Slartibartfast, Deep Thought, Lunkwill
& Fook, die Mäuse, Wale, Petunien, Delphine,
42, sogar Gag Halfrunt. Alle sind sie da.
Denkst
du, dass du ein verdammter Glückspilz bist?
Ja. Definitiv.
Dies war ein einzigartiger Auftrag für mich,
weil es mehr wurde als nur ein Job. Eigentlich
sind alle mehr als nur ein Job, denn wie man so
schön sagt: "Schreiben ist einfach,
man öffnet einfach eine Vene und lässt
es aufs Papier rinnen."
Ich habe immer
das Gefühl, dass ich das tue (ja, sogar bei
"Liebling, jetzt haben wir uns selbst geschrumpft"
- vielleicht nur eine kleine Vene, aber immer
noch eine Vene).
Aber dieser
hier war anders. Dieser wurde für mich zu
einer Suche, einem Streben: ein Streben, der Erinnerung
von Douglas Adams gerecht zu werden. Und das wurde
zur Einstellung eines jeden einzelnen, der zu
diesem Projekt hinzugestoßen ist (außer
den Buchhaltern, die sagen, sie wollen der Erinnerung
der Buchhalter von Douglas Adams gerecht werden
- aber was solls, jedem das Seine).
Ich hatte
noch nie zuvor mit einem Projekt zu tun, bei dem
jeder eine höhere Sache als Ziel hat, was
großartig ist, weil es unsere Egos zurückhält.
Jedes Erfolgserlebnis bei der Produktion dieses
Films (einen Regisseur finden, grünes Licht
bekommen, die Rollen besetzen usw.) wird zu einer
zweischneidigen Erfahrung, denn wir sind glücklich
zu sehen wie Douglas' lebenslanger Traum zur Wirklichkeit
wird, aber gleichzeitig traurig, weil er selbst
nicht dabei sein kann, um sich mit uns zu freuen.
Bevor wir
unseren dritten Entwurf an das Studio weitergaben,
brachten Garth, Nick und ich das Drehbuch zu Douglas'
Frau Jane und statteten ihr einen Besuch in ihrem
Haus ab (welches nur fünf Minuten von dem
Boot von Hammer & Tongs entfernt liegt) und
unterhielten uns mit ihr und tranken - natürlich
- Tee (das war schließlich in England und
wenn dort zwei oder mehr Leute sich treffen ist
es nationales Gesetz, dass Tee serviert werden
muss. Ich komme aus Louisiana und wir haben ähnliche
Gesetze, die mit Dr. Pepper und Cheetos zu tun
haben). Wir waren so erleichtert und erfreut zu
hören, dass ihr das Drehbuch sehr gut gefiel.
Sie gab uns ihre Ideen dazu und - noch viel wichtiger
- ihren Segen.
Ich denke,
die Fans werden erfreut sein und ich bin sicher,
dass wir im Sommer 2005 neue Fans schaffen werden.
Was
ist deine Lieblingsstelle im Buch?
Schwierige
Frage. Es gibt so viele großartige Stellen.
Wie kam der Kerl nur auf diese Zeilen?
Viele meiner
Lieblingsstellen aus dem Buch sind die Kommentare,
sowas wie [über die Osterinseln]: "Auf
galaktisch heißt Oster klein, flach und
hellbraun" oder die Passage über die
Huluvus, also "die superintelligenten Schatten
von blauer Färbung". Wie kam er nur
auf diesen Kram? Wie aufregend! Ich lese diese
Zeilen und erstarre vor Ehrfurcht.
Ein Großteil
meiner Lieblingsdialoge sind die Beschreibungen
des Reiseführers. Ich liebe die Passage über
Vogonische Poesie und die Asgothen von Kria. Und
wie, während dem Vortrag eines Gedichts von
Grunthos dem Aufgeblasenen, vier Leute im Publikum
sterben und der Präsident des Mittelgalaktischen
Kunstklau-Beirats überlebt, weil er sich
sein eigenes Bein abnagt.
Das lässt
mich jedes Mal durchdrehen (und derzeit ist es
auch noch im Film drinnen). Ich liebe auch den
Babelfisch-Eintrag und wie er die Nichtexistenz
Gottes beweist und ich liebe all die Oolon-Colluphid-Titel.
Weitestgehend ist es Douglas' subtile Wortwahl,
die ich liebe. Er ist ein Wortschmied. Es gibt
eine Zeile (und ich, denke sie ist im "Restaurant
am Ende des Universums"), die von jemanden
erzählt, der "von einem Okapi zu Tode
geknabbert" wird. Das lässt mich auch
immer durchdrehen. Zuerst ist da das Wort "knabbern"
und dann auch noch die Tatsache, dass es ein Okapi
ist. [Wer von unseren Lesern
hier nicht weiß, was ein Okapi ist, der
finde Antwort in der Wikipedia.]
In einem Eintrag
des Reiseführers "Per Anhalter durch
die Galaxis" gibt es eine Passage über
die Vl'hurgs und ihrem Befehlshaber "prächtig
anzuschauen in seinen mit schwarzen Edelsteinen
besetzten Kampfshorts".
Kampfshorts
mit schwarzen Edelsteinen? Wer denkt sich denn
so etwas aus? Ich liebe es!
Was
war das Schwierigste bei der Drehbucharbeit?
Eines Tages
bat mich das Studio, das "Konzept des unendlichen
Unwahrscheinlichkeitsantriebs zu erklären".
So, als ob es sich um etwas handelte, das tatsächlich
existierte und dementsprechend auch einer Erklärung
bedurfte.
Es kam noch
schlimmer: Ich versuchte es zu erklären,
musste aber schon bald feststellen, wie wenig
ich über die Gesetze der Wahrscheinlichkeit
wusste. Letztlich saßen Garth, Nick und
ich einen ganzen Tag am Pool des Four-Seasons-Hotels
in Losa Angeles. Dort diskutierten wir über
den unendlichen Unwahrscheinlichkeitsantrieb sowie
darüber, wie er mehr Sinn ergeben könnte
und wie wir ihn noch besser als vorantreibendes
Handlungsmittel benutzen könnten. Das war
schwierig, denn ich hatte immer angenommen, der
UUT sei im Grunde eine Plot-Konstruierungs-Maschine.
Autoren haben
mit konstruierten Plots immer so ihre Mühe
- das alte "Würde das wirklich passieren?"-Problem.
Und ich dachte: Das ist noch so eine von Douglas'
vielen brillianten Ideen. Etwas zu entwickeln,
dass die Umwandlung einer endlichen Wahrscheinlichkeit
in eine unendliche Unwahrscheinlichkeit erlaubt
- alles auf Knopfdruck. Das ist eine Konstruierungs-Rechtfertigungs-Maschine.
Was
war die verrückteste Nachricht, die du je
bekommen hast?
Garth Jennings
schickte mir einmal eine Nachricht, die lautete:
"Wenn
Zaphod das erste Mal aus dem Tempel kommt und
den Leuten entgegentritt, muss das Bananenalien
auf dem Maultier den mehrköpfigen Groupie
ersetzen."
Derartige
Nachrichten kriegt man eben nicht alle Tage.
Du
hast bewiesen, dass du für Hennen schreiben
kannst, aber kannst du auch für echte Leute
schreiben?
Wir werden
sehen. Gott sei Dank gibt es in diesem Film nicht
viele "echte Leute".
Sag
uns ehrlich. Ist der Film in guten Händen?
Ja. In sehr
guten Händen. Von oben bis unten. Alle waren
sehr hilfsbereit. Von Nina Jacobson und Dick Cook
für Disney über Roger Birnbaum, Jon
Glickman, Derek Evans und all die Leute von Spyglass
- über Jay Roach (Produzent), über Robbie,
über die Regisseure bis zur Crew - alle sind
einfach aufgeregt darüber, wie einzigartig
und wunderbar dieser Film ist.
Dies ist einer
der wenigen Filme, wo alle auf derselben Seite
zu sein scheinen. Sogar die Agenten. Von Douglas'
Agent in London, Ed Victor, bis zu seinem Agenten
in L.A., Bob Bookman, die diesen Film durch alle
Stadien gehen sehen konnten. Ich habe Ed kürzlich
auf einer Party gesehen und er sagte zu mir ein
paar Worte, die mich seither auf Trab halten:
"Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!"
Ich konnte die Erleichterung in seinen Augen sehen,
weil Leute wie er eine lange, lange Zeit gewartet
hatten, um dieses Projekt endlich Früchte
tragen zu sehen.
Als ich anfing,
wusste ich nur wenig über dieses gänzlich
bemerkenswerte Buch, bin aber zu einem großen
Fan geworden. In meinen Träumen sind alle
glücklich über den Film. Ich weiß,
dass das nicht möglich ist, aber ich habe
Vertrauen in die Arbeit, die wir alle leisten.
Und ich denke, Douglas wäre zufrieden.
Wenn nicht,
könnte ich bitte von einem Okapi zu Tode
geknabbert werden?
Dieses
Interview wurde auf der offiziellen Webseite
zum Film erstveröffentlicht. Die Übersetzung
ins Deutsche stammt von Johannes
Sawerthal. |